„Es ist normal, verschieden zu sein!“
Richard von Weizsäcker, Bundespräsident a.D.
Inklusion verändert die Gesellschaft – und sie verändert uns. Sie macht unser Miteinander reicher, lebendiger und menschlicher. Wenn Kinder mit und ohne Behinderung von Anfang an gemeinsam aufwachsen, entsteht etwas kostbares: Verständnis füreinander, Respekt vor Unterschieden und die Erfahrung, dass Vielfalt normal ist.

Wir haben erfahren, wie gemeinsames Lernen alle bereichert. Wenn Katharina mit ihrer schweren Mehrfachbehinderung z.B. voller Freude in ihre Regelklasse kommt und viele Kinder sofort mit ihr spielen, wird deutlich:
Inklusion schenkt Gemeinschaft und sensibilisiert für Stärken und Schwächen.
Sie zeigt, dass Unterstützung nicht einseitig verläuft: Kinder ohne Behinderung lernen Empathie, Geduld und Hilfsbereitschaft. Kinder mit Behinderung erfahren Vertrauen, Anerkennung und Selbstbestätigung.
Inklusion baut Brücken zwischen Welten, die sich bisher kaum begegnen. Sie verwandelt Begegnungen in Beziehungen und bringt Kompetenzen ans Licht, die in getrennten Systemen oft verborgen bleiben.
Eine inklusive Schule ist mehr als ein Lernort, ein inklusiver Betrieb ist mehr als ein Arbeitsort und ein inklusives Café ist mehr als ein Freizeitort – sie alle sind lebendige Bestandteile einer Gesellschaft, in der jeder Mensch seine eigenen Stärken einbringt und andere daran teilhaben lässt.
So entsteht eine Kultur, in der gegenseitige Unterstützung selbstverständlich ist und das „Wir“ über dem „Ich“ steht.
Mit unserem Verein “Kunterbunte Inklusion“ versuchen wir, dieser Vision näher zu kommen. Bei uns teilen Familien ihr Wissen, öffnen Türen und schaffen Lösungen. Wir wissen: Inklusion bedeutet nicht nur, Barrieren zu überwinden – sie bedeutet, Herz und Horizont zu öffnen.
Denn wer Vielfalt lebt, lernt auch über sich selbst.
Eine inklusive Gesellschaft feiert Unterschiede, ohne zu trennen. Sie sieht bei jedem Menschen nicht primär dessen Grenzen, sondern dessen Möglichkeiten.
Wenn wir diese Haltung verinnerlichen, gewinnen wir alle: mehr Miteinander, mehr Respekt, mehr Menschlichkeit.
Begriffe und ihre Bedeutung
Ein weitverbreiteter Irrglaube ist, dass Inklusion nur Menschen mit Behinderung betrifft und Integration sich auf Menschen mit Migrationshintergrund bezieht.
Die Begriffe Inklusion, Integration, Separation, Exklusion und Extinktion geben Auskunft darüber, wie eine Gesellschaft mit unterschiedlichen Menschen umgeht – unabhängig davon, welches besondere Merkmal sie haben. Neben Beeinträchtigungen können dies zum Beispiel auch Geschlecht, Hautfarbe oder Herkunft sein.
Auf den folgenden Bildern sind Menschen vereinfacht als Punkte dargestellt. Die jeweils gleiche Farbe steht für ein bestimmtes Merkmal. In diesem Beispiel sollen Menschen mit geistiger Behinderung durch rote Punkte symbolisiert werden.

1. Extinktion – Ein oft vergessener Punkt
Bedeutung: lat. Auslöschung, Menschen werden systematisch getötet oder ausgelöscht.
Beispiel: Im Nationalsozialismus wurden Menschen mit Behinderung als „unwertes Leben“ betrachtet und in Tötungsprogrammen wie „Aktion T4“ ermordet.
Historischer Kontext: Quellen belegen eindeutig, dass Menschen mit Behinderungen im Nationalsozialismus gezielt ermordet wurden – sowohl in medizinischen Experimenten wie in Dachau als auch durch systematische Euthanasieprogramme, die bereits vor Kriegsbeginn starteten (sog. Aktion T4).
Etwa 200.000 Menschen mit Behinderung, darunter auch Kinder wurden im NS-Regime getötet – In Gedenkfeiern wird an diese Menschen kaum gedacht. Sie galten lange sogar als die „vergessenen Opfer“.
2. Exklusion – Ausschluss
Bedeutung: Menschen werden vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, wenn sie nicht der gängigen Vorstellung entsprechen. Sie sind der Gesellschaft egal.
Beispiel Bildung: Menschen mit bestimmten Merkmalen wird Bildung gänzlich verwehrt.
Beispiel Arbeit: Menschen mit Behinderung werden nicht eingestellt.
3. Separation – Trennung
Bedeutung: Menschen mit besonderen Bedürfnissen werden in eigenen Einrichtungen betreut.
Unterschied zu Exklusion: Ein separates System wird extra geschaffen. Der Gesellschaft sind diese Menschen nicht egal aber es gibt auch kaum Bemühungen das Hauptsystem an Diversität anzupassen.
Klassisches Beispiel Bildung: Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Förder- und Sonderschulen.
Beispiel Arbeit: Werkstätten für Menschen mit Behinderung statt regulärer Arbeitsplätze.
4. Integration – Aufnahme ins bestehende System
Bedeutung: Menschen werden aufgenommen, müssen sich aber anpassen.
Beispiel Bildung: Ein Kind mit Behinderung darf in die Regelschule, bekommt aber wenig Unterstützung.
Beispiel Arbeit: Eine Person mit Behinderung wird eingestellt, muss aber ohne Hilfsmittel arbeiten.
5. Inklusion – Selbstverständliche Teilhabe
Jeder ist so in Ordnung wie er ist. Auf die Begriffe „behindert“ und „nicht behindert“ kann verzichtet werden. Jeder wird in seiner Individualität wahrgenommen.
Bedeutung: Alle Menschen gehören von Anfang an dazu. Das jeweilige System passt sich dem Menschen an.
Wann ist etwas inklusiv? Wenn Wertschätzung für die Unterschiedlichkeit der Menschen vorhanden ist.
Beispiel Arbeit: Barrierefreie Arbeitsplätze, inklusive Teams.
Beispiel Bildung: Es gibt ein Bildungssystem für alle, gemeinsames Lernen mit individueller Unterstützung für alle Kinder ist Normalität.
Man spricht von Inklusion, wenn sich das System so anpasst, dass Menschen keine Nachteile erhalten.
Am 13. Dezember 2006 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen das „Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ (UN-Behindertenrechtskonvention, UN-BRK) sowie das dazugehörige Zusatzprotokoll angenommen. In Deutschland ist die UN-BRK seit 2009 in Kraft.
